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Schattenzeiten

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Künstler zwischen Anpassung und Widerstand
Eine Sonderausstellung im Schloßmuseum Murnau

12. Mai bis 6. September 2020

2016 gab die Gemeinde Murnau eine Studie zur Erforschung der politischen und gesellschaftlichen Geschichte Murnaus zwischen 1919 und den 1950er-Jahren in Auftrag.
Die daraus entstandene Dokumentation, die im ersten Stock präsentiert wird, nimmt das Schloßmuseum zum Anlass, sich in seiner Sonderausstellung mit künstlerischen Positionen zwischen Anpassung und Widerstand auseinanderzusetzen.

Mit düsteren Vorahnungen des 19. Jahrhunderts führt die Ausstellung hin zu Werken von Franz Marc, Paul Klee, Käthe Kollwitz, Otto Dix, Carl Rabus, Cuno Fischer, Max Beckmann, Gabriele Münter u. a. Die Zeitspanne reicht von der Revolution und Räterepublik 1918/19 über zwei Weltkriege und Wirtschaftskrisen bis hin zum geteilten Deutschland. Lebenssituationen und Handlungsweisen des 20. Jahrhunderts stehen dabei unmittelbar den zeitgenössischen Positionen von Hans Angerer, Rita de Muynck und Nikolaus Lang gegenüber.

Die ausgewählten kurzen Lebensphasen sind dabei explizit als Bruchstücke, als aus Lebenslinien herausgebrochene Momentaufnahmen formuliert, die Verhaltensweisen und Entscheidungen, selbstbestimmt oder erzwungen, beleuchten. Sie entwickeln sich chronologisch, führen zwischendurch jedoch auch wieder zurück und nehmen auf Vorangegangenes Bezug. So ergeben sich immer wieder neue Bezüge: Francisco de Goya und Hans Angerer, Käthe Kollwitz und Max Klinger, Rita de Muynck und Albrecht Dürer.

Jedes Künstlerschicksal hat sich unter verschiedenen Voraussetzungen auf seine ganz eigene Weise entwickelt, entsprechend der Herkunft, der Familie, den Erfahrungen von Freunden, einem wachen Umfeld oder den alarmierenden Zeichen, die rechtzeitig gedeutet wurden. Die von Francisco de Goya dokumentierten „Desastres de la guerra” sind über die Jahrhunderte hinweg dieselben geblieben. Sie ziehen sich als Motive in Variationen bis ins 21. Jahrhundert durch. Die Würde des Menschen scheint nach wie vor antastbar.

 

„So werden täglich sicher mehr als tausend Menschen ermordet und wieder tausende deutscher Männer werden an den Mord gewöhnt. Und das alles ist noch ein Kinderspiel gegen das, was in Polen und Rußland geschieht. Darf ich denn das erfahren und trotzdem in meiner geheizten Wohnung am Tisch sitzen und Tee trinken? Mache ich mich dadurch nicht mitschuldig?
Was sage ich, wenn man mich fragt: Und was hast Du während dieser Zeit getan?”

Helmuth James Graf von Moltke, 21. Oktober 1941

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